Der Koloß von Rhodos

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Bis zum Olympus empor, o Helios, türmte dir preisend Rhodos` dorisches Volk diesen Koloß hier aus Erz...
Zu achtzig Ellen Höhe hat ihn Lindos` Bürger Chares aufgetürmt.
Epigramm

Im Jahre 305 v.Chr. widerstand die Stadt Rhodos auf der Insel Rhodos der Belagerung durch Demetrios, dem König von Phrygien und Lykien. Dies konnte nur durch die Hilfe des Gottes Helios geschehen, dem man nun aus Dankbarkeit ein Standbild zu bauen gedachte. Helios nahm aus folgendem Grund eine Sonderstellung auf Rhodos ein: als Zeus die Erde unter den Göttern aufteilte, war Helios gerade mit seinem Wagen, gezogen von seinen Sonnenrössern am Himmelszelt unterwegs und konnte somit nicht an der Verteilung teilnehmen. Als Ersatz verlangte er eine Insel, die gerade aus dem Meer aufgestiegen war - Rhodos.  
Da Helios die Insulaner bei der Belagerung unterstützt hatte, beeilten sie sich, das Standbild zu bauen. Sie bestellten bei dem Bildhauer Chares von Lindos, eine 18m hohe Statue und vereinbarten für die Arbeitsleistung und das Material einen Festpreis. Später verlangten sie eine doppelt so hohe Statue und Chares verdoppelte einfach den Preis. Dies war ein Fehler, denn die Kosten lagen achtmal so hoch, was er erst später bemerkte. Chares ging an diesem Auftrag bankrott und nahm sich nach Fertigstellung der Statue das Leben. 

Mit den Arbeiten an Helios' Standbild begann man 302 v.Chr.. Chares baute als erstes ein Eisengestell als inneren Träger, welches mit Lehm ummantelt wurde. Die so geschaffene Form hatte nahezu die endgültigen Maße der Statue. Um die Form herum wurde ein Erdwall aufgeschüttet, der sich spiralförmig um das Standbild wand. Von hier aus wurde Helios mit Bronzeteilen umschlossen. Insgesamt sollen über 12t Bronze verarbeitet worden sein, was einer Wanddicke von ca. 1,6mm entspricht.
Um die Standsicherheit zu gewährleisten, wurde sie bis zum Kopf mit kleinen Felsbrocken gefüllt. Einen kleinen Raum in der Mitte ließ man frei, dort führte eine Leiter bis zum Kopf hinauf, um eventuelle Reparaturen ausführen zu können. 

Eine Statue dieser Größe ist auch für die heutige Zeit ungewöhnlich, als Vergleich: die Münchner Bavaria ist 20,5m hoch, die New Yorker Freiheitsstatue nur 10m höher. Jeder einzelne Finger des Helios war länger als ein erwachsener Mann und konnte nicht mit beiden Armen umfaßt werden. Leider sind keine Aufzeichnungen oder Münzen mit dem Abbild erhalten geblieben, so daß nur gemutmaßt werden kann wie er aussah. Sicher ist indes nur , daß sein Gesicht und die siebenstrahlige Krone vergoldet waren.
Auch der Standpunkt der Statue ist nicht bekannt. Unwahrscheinlich ist, daß sie mit gespreizten Beinen über der Hafeneinfahrt stand. Man nimmt an, daß Helios in der Stadt mit Blick gen Osten stand, wo seine tägliche Fahrt über den Himmel beginnt.
Die Statue stand nur 66 Jahre, bevor sie 224 v.Chr. bei einem Erdbeben umstürzte und einige Häuser zerstörte. Da ein Orakel besagte, Rhodos würde ein großes Unglück erleiden, wenn die Figur wieder aufgerichtet würde, blieb sie fast 900 Jahre an Ort und Stelle liegen.
Erst die Araber, die Rhodos 653 n.Chr. eroberten, zeigten wenig Respekt vor Helios. Sie entfernten die Bronzeschicht und transportierten sie in 900 Kamellasten nach Edessa, einer Stadt im nördlichen Mesopotamien, wo die Bronze eingeschmolzen wurde.
Übriggeblieben ist von diesem sechsten Weltwunder nur das Wort "Koloß". Das griechische Wort "Colossos" bedeutete ursprünglich nur "Statue", erst durch das Bildnis des Helios bekam es die Bedeutung, die wir noch heute kennen: Riesenstandbild oder Ungetüm. [sh]

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