Petra, Jordanien

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Als indischer Kaufmann verkleidet war Johann Ludwig Burckhardt von einem muslimischen Pilger nicht zu unterscheiden. Im August 1812 erfuhr der schweizerische Orientreisende, der auf dem Weg von Aleppo über Akaba nach Ägypten war, daß die legendäre Felsenstadt ganz in der Nähe liege. Unter dem Vorwand er wolle als gläubiger Moslem am Grabe Aarons beten, stellte er sich den Beduinen als "Scheich Ibrahim" vor. Burckhardt betrat durch die 1200 m lange und bis zu 100 m hohe Schlucht des Siq den Ort, wo der biblische Urvater Moses mit einem Stab Wasser aus dem Felsen geschlagen hatte, als er das jüdische Volk aus der ägyptischen Gefangenschaft ins gelobte Land führte.
Die ältesten Siedlungsspuren führen hier bis in die Jungsteinzeit zurück und zusammen mit Funden in Amman und Jericho, gehören die im nahen Beidha entdeckten Rundhäuser zu den ältesten Steingebäuden der Welt. Später siedelte dort der Stamm der Edomiter, nach der Bibel Erzfeinde Israels, die ihre Festung Selo (= Fels) nannten. Im 3. Jahrhundert v.Chr. Ließ sich der semitische Stamm der Nabatäer, einst Nomaden der Wüste, dort nieder. Petra, griechisch für "Fels", entwickelte sich in dieser Zeit zu einem der bedeutendsten Handelszentren des Nahen Ostens. Mit der römischen Annexion Petras im Jahre 106 n.Chr., büßte die Stadt in der Provinz Arabia ihren Reichtum schnell ein. 363 brachte schließlich ein Erdbeben einen Großteil der freistehenden Mauern zum Einsturz. Im 12. Jahrhundert erbauten Kreuzritter in der Nähe eine Festung, dessen Einwohner nach Saladins Sieg über die Christen islamisiert wurden. Die späte Wieder- entdeckung der Felsengräberstadt änderte das Bild über die Wohnkultur der Nabatäer, man nahm ursprünglich an, daß sie nur in Zelten gelebt hätten. Der repräsentative Aufenthaltsbereich der großzügigen Wohnhäuser trägt griechische Züge, die Privaträume und der Hofbereich hingegen lokale Gestaltungsmerkmale.
Bis zu 4000 Besucher fasste das nach römischem Muster aus dem Fels gehauene Theater, für dessen Bau alte Grabfassaden zerstört wurden. Petras einziger erhaltener, Qasr el-Bint Fira'un (= Burg der Tochter des Pharaonen) wurde im 1. Jahrhundert v.Chr. der Göttin Al Uzza geweiht. Die Königsgräber zeigen hellenische Einflüsse, deren auffälligster Teil, nach der farbigen Maserung der Fassade, "Seidengrab" genannt wird. Früher nahm man an, daß es sich um eine Stadt handele, jetzt weiß man, daß Petra eine Grabstätte ist. Das berühmteste Grab ist wohl el-Kasneh (= Schatz- haus der Pharao), in dem Beduinen einst vergeblich nach dem sagenhaften Schatz des Pharao suchten. Die 40 m hohe und 25 m breite Fassade deckt zwei in den Berg geschlagene Geschosse ab. Der Eingang zum unteren Geschoß besteht aus 6 Säulen mit korinthischen Kapitellen. Im zweiten Stock steht in einem runden Steinpavillon eine Statue der ägyptischen Göttin Isis. Weitere Skulpturen stellen Amazonen, Löwen, Nabatäer-Göttinen und Figuren der griechischen Mythologie dar, so daß man annimmt, daß es sich um ein Mausoleum eines der letzten Nabatäer-Könige handelt.
Heute müssen sich Besucher nicht mehr als Pilger verkleiden, längst ist die Felsenstadt zu einer Touristenattraktion geworden. [sh]
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Lichtblicke

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